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Apettizer

Vortrag "moderne Thermiktheorie" von Lucian Haas

Vorweg: Ich habe diesen Artikel in einer Art Mitschriftsprotokoll erstelt. Der Artikel beschreibt meine persönliche Interpretation und was ich mir soweit merken konnte. Der Artikel ist also ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit. Die eingefügten Folien sind original von Lucian Haas und bilden nur einen kleinen Ausschnitt. Ich empfehle jedem den Vortrag von Lucian life zu erleben. Anfragen hierzu nimmt er gerne entgegen: Lu-Glidz-Academy 

Am 15.11.2019 lud unser Verein alle Interessierten zur Veranstaltung "moderne Thermiktheorie" mit und von Lucian Haas ein. Vielen ist Lucian ein Begriff, da er seit Jahren den Blog lu-glidz betreibt. Ebenso interessant ist auch sein neues Podcast Angebot, welches man mit entsprechenden Apps für Apple und Android jederzeit und überall hören kann. Alle seine Angebote sind übrigens kostenlos und unbeschränkt - Lucian nimmt jedoch gerne Spenden entgegen.

Aufgrund des immensen Interesse waren die ersten Gäste bereits vor 18 Uhr anwesend und nutzten die Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung, für ein Abendessen in unserem Stammlokal Curva Est.

Um 19:30 startete Lucian mit der "klassischen Theorie" - der trockenadiabatischen Abkühlung. Warme Luft steigt temperaturgetrieben auf und kühlt um ca. 1 Grad je 100hm ab. Dabei steigt sie so lange, bis die Umgebungstemperatur in etwa identisch ist:

MTTLH 01 Temperatur

In der modernen Thermiktheorie (nach Lucian Haas) hingegen gibt es neben der Temperatur weitere Faktoren, welche das Steigpotential einer Warmluftblase beeinflussen:
Feuchte Luft steigt besser als Trockene in einer ansonsten trockenen Umgebungsluft (Feuchtigkeitsquelle). Ein größeres Volumen (der Warmluftblase) steigt besser (länger, zeitlich) als eine kleinere Warmluftblase.
Entscheidend bei allen Faktoren ist jedoch immer der "Kontrast" - der "Abstand" zur Umgebungsluft. Eine feuchte Warmluftblase kann beispielsweise in feuchter Luft kein stärkeres Steigpotential durch seine Feuchte schöpfen.

Resumee: Thermik wird durch Temperatur ausgelöst, jedoch durch Feuchtigkeit und Volumen verstärkt und weiter getrieben. Dabei verändert sich der Einfluss mit der Höhe entsprechend der nachfolgende Grafik:

MTTLH 02 Einfluss

Aus den genannten unterschiedlichen Faktoren setzt sich das Steigpotential zusammen und sorgt in der Theorie dafür, dass  eine angefeuchtete, große Thermikblase mit schwachem Temperaturgradient vor dem Berg unter Umständen kleinen, thermisch starken und hangnahen Blasen vorzuziehen ist. Die Schwierigkeit besteht in der Praxis dies zu erkennen!. Findet man hangnah starke, jedoch zeitlich nur kurze Steigphasen und sieht gleichzeitig weiter draussen einen Piloten großroßräumig aber schwach und kontinuierlich steigen, dann könnte es ich um eine oben beschriebene größere, angefeuchtete Thermikblase handeln, welche effizienter nutzbar ist. 

Besonders interessant war für mich die Erklärung von Tempkurven. Im Bild oben sieht man beispielsweise, dass es sich lohnt, die Basis auszudrehen. Auf anderen Bildern, bei denen der Abstand zwischen Taupunktkurve und Temperaturkurve schon deutlich unterhalb der Basis sich stark verringert, ist das Ausdrehen der Basis nicht zwingend sinnvoll. Als Faustregel nehme ich mit: je deutlicher der Abstand zwischen beiden Linien und je stärker die Temperaturlinie nach links geneigt ist, umso besser, bzw. stärker ist die Thermik.Die Tempkurven kann man übrigens auf Windy mit einem Rechtsklick und anschließenden Klick auf "Aerologie" anzeigen. Um den für uns Gleitschirmflieger interessanten unteren Atmosphärischen Bereich zu vergrößern, sollte man auch noch das Zoomsymbol nutzen. Eine weitere und teilweise einfachere Möglichkeit besteht darin, Meteo Parapente zu nutzen. Die Tempkurve von MP rechnet Feuchte und Volumen bereits mit ein und ist einfacher zu lesen. Die berechnete Termikgüte wird mit selbsterklärenden Farben (Grün=gut, rot=stark) und senkrecht dargestellt. Lucian hat hierfür bereits einen Artikel online: Soundings für jedermann, welchen ich in meinem letzten Beitrag bereits erwähnte: Vortrag Meteo-Parapente

Als Zwischenfazit sind wohl die folgenden Folien ideal:

MTTLH 03 Fazit

Im zweiten Teil des Vortrages ging es um die Frage ob "Wolken saugen".
Um es kurz zu machen: "Saugen" wie ein Staubsaugerrohr können Wolken natürlich nicht, denn dazu fehlen die begrenzenden Wände. Jedoch wird trockene Höhenluft von der aufsteigenden Luft verdrängt und nach unten gedrückt. Dadurch entsteht u.U. ein hoher Dichteunterschied und dieser verstärkt das Steigen!
Lucian beschreibt dies im Artikel "Wolken saugen nicht" aus dem DHV-Info Nr. 217 ab Seite 61 folgendermaßen: "Vereinfacht kann man sagen: Nicht die Wolke saugt, sondern die am Rand der Wolke hinabgedrückte trockene Luft pusht die Thermikflieger gewissermaßen nach oben und gelegentlich bis in die Wolke hinein."
Tückisch wird dies im Zusammenspiel mit Höhenwind - hier muß mit verstärktem Steigen im Lee einer Wolke gerechnet werden - Gefahr!  

Schneethermik:
Die Albedo ist der Anteil an einfallender Sonnenstrahlung, die von der Erdoberfläche reflektiert wird. Als Albedo Effekt beschreibt Lucian den Effekt, dass dunkle Bäume auf steilen Flächen die Sonneneinstrahlung der tief stehenden Wintersonne in Thermik umsetzen können. Der Schnee am Boden verstärkt diesen Effek, da er zum einen Sonnenlicht reflektiert und als Feuchtequelle dient.
Beim Sublimations Effekt diffundiert der Schnee direkt Feuchtigkeit in die Luft und macht sie dadurch leichter. Wird diese Luft durch Wind an einen Hang  geschoben, kann sie sich ablösen und steigt aufgrund des feuchtebedingten geringeren Volumens auf. Auch dieser Effekt kann von Piloten zum Aufstieg genutzt werden.

MTT04 Albedo

Bezugnehmend auf diesen hervoragenden Vortrag hat sich der Autor dieses Beitrags entschlossen, die weiteren Angebote von Lucian mit einem Dauerauftrag zu Fördern.