Schirmtest - Booster

 

Ich suchte einen neuen Gleitschirm, mein Alter war schon ziemlich runter...
So kam denn ein Sonntag im letzten Sommer am Brauneck. Früh 10 Uhr war bei mir der erste Tandempassagier angemeldet und ich hatte noch 1 * Stunden Zeit. Also, zu Adventure-Sports ein bißchen schnüffeln was es so Neues gibt, und siehe da, 2 Leute unterhielten sich über einen Booster den jemand nicht fliegen wollte weil er "zu heiß" war. Also hab ich gefragt ob ich ihn mal probefliegen darf.

Also rauf zum Südstart, ausgelegt, Schirm bestaunt und in den ersten Ablösungen den Schirm ein paar Mal aufgezogen. Das Starthändling gefiel mir auf Anhieb.
Vor dem Startplatz erwischte ich auch gleich einen Nullschieber und parkte mit dem Schirm ein, schaute mir die recht kleine Kappe an, zupfte hier und da ein bißchen an den Bremsen und als das Vario anfing zu piepsen drehte ich ein. Ich erwischte doch tatsächlich einen der ersten Bärte des Tages und dank dem feinen Händling kam ich sofort mit dem ungewohnten Schirm zurecht und stieg bis ca. 200m über den Brauneckgipfel.
Naja, dachte ich, der Lappen soll ja recht fix sein, also ins Speedsystem gestiegen und in Richtung Benediktenwand abgedüst. Auch im Speedsystem erwischte ich immer wieder Steigen, so das ich recht flott, immer ca. 200m über dem Grat unterwegs war.
Noch ein bißchen Kurbeln, Ohrenanlegen (durch die geteilten A-Gurte ein Kinderspiel), wieder kurbeln und schon war ich auf Höhe des Gipfelkreuzes der Benediktenwand.
Eigentlich wollte ich ja oben landen und nach Neustart zurück zu meinen Tandempassagieren, aber soweit sollte es nicht kommen. Beim überfliegen der südlichen Steilwand riß mich urplötzlich eine Hammerthermik nach oben, es waren deutlich über 6m Steigen. Ich hatte heftig zu tun. Über 600m höher fiel ich dann aus dem Bart und atmete erstmal durch.
Heimweg? Zum Landeplatz? Der Jochberg zwischen Walchen- und Kochelsee sah zum Greifen nah aus. Dort landen, Freundin anrufen und mich zum Brauneck holen lassen. Das war jetzt meine Entscheidung.
Das Waldgebiet dorthin überquerte ich ohne einmal zu kurbeln, fast immer im Speedsystem stehend. Der Schirm nahm unterwegs Steigen an, nicht ein einziges Mal hatte ich ein ungutes Gefühl, nicht ein Mal klappten die Ohren obwohl es teilweise schon recht ruppig war.
Am Jochberg kreiste ich dann auch 2x über dem Gipfelkreuz, winkte den Wanderern zu die so früh schon heraufgelaufen waren und juchzte vor Freude. Nun wollte ich nur noch zum Landeplatz und die Rückholaktion starten - aber halt, war das nicht zaghaftes Steigen aus der Südflanke? Ja! Ein paar Minuten später war ich wieder weit über dem Jochberg. Jetzt flieg ich auch zurück - dachte ich. Kurbelte solange es ging und mit satter Höhe und fast ständig getretenem Speesystem flog ich wieder zurück in Richtung Benediktenwand. Dort kam ich dank Steigen unterwegs so hoch an, das ich gleich geradeaus weiterflog und, nach nur 1 * Stunden kurz vor 10.30 Uhr am Brauneck- Landeplatz landete.

Fazit: Nie hab ich mich auf Anhieb unter einem Schirm so wohlgefühlt, die Kappe erweckte schnell mein Vertrauen, obwohl es bei diesem meinem Jungfernflug mit dem Booster doch recht ruppig war. Saugeil ist das Speedsystem, tritt man die 2. Stufe geht erst richtig der "Boost" ab. Auch in ruppigen Verhältinissen wie bei diesem Flug sollte es keine Bedenken gegen Vollgas geben, dies erhöht den Grünen Bereich des Schirms deutlich. Als ich den Schirm bei Adventure-Sports mit der Bemerkung "das ich mal eben schnell am Jochberg war", "Nee, nicht hingefahren, hin- und zurückgeflogen!" - da tippten sich die anwesenden Flieger nur bedeutungsvoll an die Stirn...

Robert Kleinwechter