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von Markus Haubt
Vornweg: Eigentlich wollt´ ich
das ganze als Ergänzung zu den bisherigen Berichten
auf die Ente stellen, stellte aber jetzt fest,
daß der Bericht
von Bernhard Hecker das wesentlichste bereits
sehr gut beschreibt.
Daher hier meine Eindrücke:
Der Blade L hat erst kürzlich das GüSi erhalten,
ich dürfte so ziemlich das erste Testgerät in
der Größe in den Fingern gehabt haben. Der Gewichtsbereich
reicht bis 130kg was den Schirm gerade für schwerere
Piloten sehr interessant machen dürfte. Ich jedenfalls
habe zum ersten mal einen Schirm mit meinen ca.
120-125kg Startgewicht etwas unter dem Maximum
geflogen, was aber in Speed und Dynamik in keinster
Weise zu spüren war.
Geflogen bin ich den Schirm insgesamt
viermal an der Seceda, davon zweimal in Thermik
und einmal soarend in jeweils nicht allzustarken
Bedingungen.
Direkt fiel mir die doch schon
sehr hohe Streckung und Spannweite für ein Gerät
dieser Kategorie auf - ich habe selten solange
am Stabi gezogen, bis der Schirm endlich voll
ausgebreitet war Insgesamt macht der Schirm meinem
Geschmack nach optisch richtig was her, auch das
Farbdesign halte ich für sehr gelungen. Mißfallen
taten mir auf den ersten Blick die ungeteilten
A-Gurte, die Augenbrauen senkten sich erst wieder,
als ich dann in der Luft mal die Ohren reinzog
- äußerst easy zu handhaben dieses Manöver, die
A-Leinen lassen sich dabei problemlos ohne großen
Widerstand nachziehen.
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| Besonders beeindruckt
hat mich das Startverhalten, der Schirm ist
problemlos vorwärts wie rückwärts zu starten. Hierbei
knickt er zwar beim ersten Impuls gern etwas in
der Mitte ein, strafft sich dann aber sofort und
steigt selten ruhig und gleichmäßig über den Piloten.
Anfangs kommt er hierbei recht schnell, tendiert
dann aber kaum zum Überschießen und bleibt dabei
äußerst spurtreu, auch bei widrigeren Bedingungen.
Ich hatte letzten Sommer einen Blade M auf der Wiese
zum handeln, selten einen Schirm erlebt, der so
easy zu kontrollieren ist. Beispielsweise läßt sich
die Kappe spielend lediglich mit Gewichtseinsatz
ohne Zug an den A-Gurten auch bei schwächerem Wind
auf 45°-Position halten.
Das leichtgängige Handling
setzt sich dann auch nahtlos im Flug fort, ich
hatte direkt das subjektive Gefühl, wesentlich
"leichter" unterwegs zu sein. Dies ist wohl vor
allem durch die geringeren Steuerdrücke als bei
meinem Proton bedingt aber auch die Kappe macht
einen wesentlich agileren Eindruck. Insgesamt
vermittelt der Schirm im Flug einen sehr ruhigen
stabilen, trotzdem aber sehr wendigen Character.
Die Kappe arbeitet kaum in sich und läßt sich
sehr präzise um die Ecken steuern, Heber werden
ziemlich direkt weitergegeben.
Überzeugt haben mich auch Trimmgeschwindigkeit
und Gleiten. Hier ist der Schirm mit Sicherheit
besser, als mein alter Proton, es gleitet sich
absolut ruhig, schnell und mit geringem Höhenverlust
dahin wie nix. Ich habe zwar keine genauen Aussagen
mittels GPS zur Verfügung aber rein der subjektive
Eindruck war hier schon beeindruckend. Sehr angenehm
empfand ich auch den eher kurzen Beschleunigerweg
und die hierbei geringe Kraft, die zum Betätigen
des Beschleunigers über den gesamten Weg von Nöten
ist. Möglicherwiese spielt hier auch die ziemlich
geringe Flächentiefe eine Rolle.
Ein Manko in Anführungsstrichen
stellt wohl das Flachdrehen dar. Ich habe
es in den relativ schwachen und engen Bärten nur
mit viel Trickserei geschafft, den Schirm einigermaßen
flach und dabei eng zu drehen, hier neigt er schon
etwas zum "Graben". Andererseits macht gerade
dieses Verhalten beim dynamischen Fliegen, etwa
im Landeanflug oder beim pistennahen Soaren tierisch
Laune, WOs, schnelle Kurven, Spiralen - mit diesem
Lappen ein Heidenspass, vor allem weil er sich
auch hierbei sehr gut dosieren und steuern läßt.
Wie die meisten der höherklassifizierten Geräte,
die dieses Graben aufzeigen, setzt auch der Blade
die Energie aus diesen Kurven perfekt wieder in
Höhe um, will dann aber auch entsprechend dynamisch
geflogen werden - eine Geschmackssache, die schon
bei den alten Ozones wie dem Proton sowie dem
Octane die Geister schied.
Was den Extremflug angeht:
Die Bezeichnung High-End-2er paßt hier wohl perfekt.
Ich hatte nicht den Eindruck, daß der Schirm bei
Klappern Hochleistercharacter zeigte, denke aber,
daß er schon in die Richtung geht. Klapper (sowohl
neutral als auch vorgenickt geflogen) erfolgen
schnell, der Schirm dreht durchaus aprupt an und
verlangsamt dann aber auch sehr zügig wieder.
Insgesamt kamen dabei ohne Gegenbremsen nie mehr
als 90° bis maximal 180° Wegdrehen heraus, da
die Wiederöffnung teils sehr impulsiv aber sauber
erfolgte. Ungeübte Piloten könnten in diesen Fällen
schon mal überreagieren, eine gewisse Erfahrung
mit diesen Flugzuständen sollte also schon vorausgesetzt
werden. Das Gegenbremsen ist problemlos, sollte
aber schon konsequent und dabei gefühlvoll erfolgen.
Hält man den Klapper geradeaus und gibt die Außenbremse
wieder frei, zieht der Schirm deutlich in die
Drehung, wobei er allerdings nicht übermäßig beschleunigt
oder abkippt. Auch in der schnellen Drehung erfolgt
die Wiederöffnung absolut problemlos, im Gegensatz
zu manch anderem Schirm, den ich diesbzgl. schon
testete. Frontstalls verliefen absolut unproblematisch,
der Schirm blieb spurtreu, die Wiederöffnung erfolgte
weder impulsiv noch zu langsam. Zu berücksichtigen
ist hierbei, daß mein Testgerät auch nagelneu
war, was meist zu sehr schnellen und unproblematischen
Wiederöffnungen führt.
Ein weiterer Punkt, der angemerkt
werden sollte ist, daß sich der Steuerdruckanstieg
im unteren Bereich doch ziemlich in Grenzen hält.
Ich habe - meinen Proton gewohnt - es einmal geschafft,
den Schirm negativ anzureißen. Allerdings hatte
ich zuvor auch die Bremsen um 15cm verkürzt und
dann nochmals gewickelt in der Thermik und war
hier nicht gerade zimperlich beim Reinziehen Dieses
Verhalten ist meiner Ansicht nach auch unproblematisch,
nur sollte man eben keinen traktorähnlichen Bremskraftanstieg
nach unten erwarten.
Fazit:
Insgesamt ist FreeX hier ein sehr runder und ausgewogener
Schirm gelungen, der sehr gute Flugleistungen
in Punkto Speed und Gleiten mit agilem Handling
sowie unkompliziertem Startverhalten verbindet.
Ehrlichgesagt klingt mir der Spruch ja fast schon
wieder viel zu klischeehaft und werbeprospektmäßig,
trifft hier halt aber meiner Ansicht nach voll
zu. Der Spaßfaktor kommt sicherlich keinesfalls
zu kurz an diesem Gerät!
Markus
Born
to glide
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